Tihange abschalten

„Wie gefährlich sind die belgischen Schrottreaktoren für uns und unsere Heimat“ war das Thema der voll besuchten Veranstaltung von Bündnis 90 Die Grünen am Mittwochabend, 14.6. im Hotel Krupp. MdB Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag, trug vor einem interessierten Publikum vor, einige Zuhörer standen wegen Überfüllung des Saals draußen auf dem Flur. Die Bedeutung dieser Frage wurde außerdem durch ein gemeinsames Grußwort von 63 Bundestagskandidaten aus der gefährdeten Region für diese Veranstaltung unterstrichen.

Über das grundsätzliche Risiko hinaus, das Atomkraftwerke so gefährlich macht, geht von den belgischen AKW in Tihange und Doel noch zusätzlich die besondere Gefahr aus, das fast wöchentlich ein Störfall gemeldet wird. Selbst die internationale Atombehörde und Experten, die sich für Atomkraft aussprechen, halten den Betrieb dieser beiden Atomkraftwerke für unverantwortlich und sprechen sich für die Abschaltung aus.

Der Einspruch der deutschen Regierung durch Umweltministerin Hendricks wirkt wie eine Farce, da die Atomfabriken Gronau und Lingen weiterhin Brennelemente auch für diese Atomkraftwerke liefern, obwohl die beiden AKW ein gefährliches Risiko für die Menschen im Ruhrgebiet darstellen, der am dichtesten besiedelten Region in Deutschland und Europa. Darüber hinaus sind weitere Regionen gefährdet. Dieses Verhalten der Bundesregierung ist vollkommen unverständlich. Es gipfelt in der absolut unverbindlichen Reaktion von Bundeskanzlerin Merkel: „Das muss verhandelt werden.“ Der Berichterstatter fragt sich, ob sie ihren Amtseid für das deutsche Volk oder für die Atomindustrie geleistet hat.

Eine ausführliche Untersuchung, ob Belgien weiterhin mit Strom versorgt werden kann, wenn die AKW abgeschaltet werden, hat der Umweltminister der letzten Regierung in Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel, in Auftrag gegeben und sie liegt seit Ende 2016 vor. Diese Untersuchung findet man auf der Homepage von Oliver Krischer. Die Stromversorgung kann ohne weiteres durch Gaskraftwerke geleistet werden, die zurzeit als Reserve bereitstehen.

Warum betreibt man trotz dieser Lage noch die maroden AKW? Diese uralten AKW sind restlos abgeschrieben und können aus dieser finanztechnisch komfortablen Lage heraus sehr preiswert Strom liefern. Bei einem Neubau wäre die Lage vollkommen anders und es stellt sich bei gegenwärtig im Bau befindlichen AKW in England und Finnland heraus, dass die Stromproduktion mit ihnen gegenüber erneuerbaren Energien erheblich zu teuer wird.

Gegenwärtig wird versucht, einen Prozess gegen den Weiterbetrieb der AKW in Gang zu setzen. Man betritt damit juristisches Neuland, weil noch nie ein Land gegen ein Nachbarland wegen des Betriebs maroder AKW geklagt hat. Die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie viele Städte, Gemeinden und Kreise in Deutschland und den Niederlanden unterstützen diese Klagen finanziell. Das Problem ist, einen Klagegegenstand zu finden, der dann dazu führt, dass die AKW abgeschaltet werden müssten.

Immerhin ist die belgische Regierung, die von konservativen Parteien geführt wird, so nervös, dass sie sich von jeder Aktion und allen Maßnahmen in Deutschland gegen die AKW berichten lässt.

Auf die Endlagerung des Atommülls angesprochen, führte Krischer aus, dass es keine gute Lösung gibt. Man muss die beste der schlechten Lösungen heraussuchen. Die 28,5 Milliarden €, die die Atomindustrie für die Endlagerung zahlen muss, waren das Maximum, was gegenwärtig herausverhandelt werden konnte. Diese Summe muss sofort an die Bundesrepublik überwiesen werden und kann dann nicht mehr verschwinden. Damit müsste man rechnen, wenn man den Betrag bis zum Zeitpunkt der Endlagerung bei den Unternehmen belässt. Es besteht die Gefahr, dass die Atomunternehmen dann nicht mehr existieren, was bedeuten würde, dass die Steuerzahler für die Endlagerung voll aufkommen müssten.

Bei altem Atommüll ergibt sich darüber hinaus die Gefahr, dass Verbrecherbanden versuchen, diesen für kriminelle Zwecke zu missbrauchen. Gegenwärtig finden hier solche Versuche mit altem russischen Beständen statt, für die sich der IS interessiert. 3 Verbrecherbanden konnten vom georgischen Geheimdienst dingfest gemacht werden, weil dieser von amerikanischen Regierungsstellen deswegen unterstützt wird. (Time Magazin  189  Nr.14  vom 17.4.2017).

Zu bemerken ist noch, dass allem Anschein nach kein Land seine AKW so recht im Griff zu haben scheint. Selbst in einem Hochtechnologieland wie Japan konnte die größte Atomkatastrophe, die sich bisher ereignete, nicht verhindert werden.

Wie geht es weiter? Am Sonntag 25.6.2017 findet eine 90 km lange Menschenkette von Aachen nach Tihange statt. http://tihange-abschalten.eu/event/90-km-menschenkette-gegen-tihange/

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