Erneuerbare Energien in Rheinland-Pfalz bestes Mittel gegen den Klimawandel?

Der Grüne Kreisverband Ahrweiler hat zu einem sehr gut besuchten Diskussionsabend eingeladen. Die beiden Podiumsgäste MdL Andreas Hartenfels und der Sprecher der Kreistagsfraktion Wolfgang Schlagwein referierten und diskutierten zum Thema “Erneuerbare Energien in Rheinland-Pfalz – bestes Mittel gegen den Klimawandel?“ Noch vor zehn Jahren hielten viele die erneuerbaren Energien für eine Bedrohung des wirtschaftlichen Wohlstands und Wachstums in ganz Europa. Insbesondere Vertreter/innen der Kohleindustrie behaupteten, dass Windkraft, Solarenergie und Biomasse einfach zu teuer seien und nie mehr als drei bis vier Prozent des Strombedarfs decken könnten. Doch einige europäische Länder, allen voran Dänemark und Deutschland, haben trotz der Kosten und unklaren Erfolgsaussichten kräftig in die Erneuerbaren investiert. Heute ist die Erzeugung erneuerbarer Energien keine Randtechnologie mehr, vielmehr macht sie innerhalb der letzten elf Jahre den Großteil der neu geschaffenen Stromerzeugungskapazitäten der EU aus. 2015 stammten 16,7 Prozent des Endenergieverbrauchs der EU aus erneuerbaren Energien. Der größte Schub kam durch die schnell sinkenden Kosten dieser Technologien. Seit 2009 sind sie für Sonnenenergie um 75 Prozent und für Windenergie um 66 Prozent gefallen.
MdL Andreas Hartenfels stellte in seinem einleitenden Vortrag die schon erreichten Erfolge der Grünen Regierungsbeteiligung in Rheinland-Pfalz vor, die Zahlen sprechen für sich. „Durch die Erneuerbaren Energien wurden bereits rund 10.000 Arbeitsplätze in Rheinland-Pfalz geschaffen. Die positive Entwicklung beim Ausbau wird Rheinland-Pfalz allerdings nicht in derselben Form fortsetzen können, wenn der Bund bei den Rahmenbedingungen weiter auf der Bremse steht. Die Bundesregierung muss ihren Stillstand schnellstens beenden und effektiven Klimaschutz endlich fördern statt ihn zu behindern. Ein Anfang dafür wäre die schnellstmögliche Abschaltung der deutschen Kohlekraftwerke. Nach dem zu Ende gehenden Dürresommer und weltweiten Extremwerten, die vor wenigen Jahren noch undenkbar erschienen, erleben wir endlich die dringend nötige Diskussion um eine grundlegende Veränderung unseres Handelns. Nur eine Handvoll Verschwörungstheoretiker leugnet heute noch den menschengemachten Klimawandel,“ führte MdL Andreas Hartenfels aus. Wolfgang Schlagwein lenkte in seinem Vortrag den Blick auf die Geschichte der Energiegewinnung, im Ahrtal zunächst durch Wassermühlen. Im Folgenden ging er auf die heutige Erzeugung der Energie vor Ort ein, um so auch auf die Wertschöpfung durch sie und ihre Bedeutung als Jobmaschine im Kreis Ahrweiler zu verweisen. Erneuerbare Energien haben drei Vorteile. Sie sind, das steckt schon im Namen, erneuerbar. Weniger bekannt sind die beiden weiteren Vorteile. Erneuerbare Energien gibt es rund um uns herum, überall da, wo Menschen wohnen und arbeiten. Wir können sie vor unserer Haustür oder auf unseren Dächern gewinnen. Damit einher geht der dritte Vorteil: Wir können sie selbst „in die Hand nehmen“, Photovoltaik auf unserem Dach, der Landwirt eine Biogasanlage, die Energie-Genossenschaft Windräder installieren. Gerade Vorteil Zwei und Drei machen es möglich, Energie als regionales Gemeinschaftsgut zu nutzen und dadurch, weit über die reinen Umweltfragen hinaus, auch neue Formen politischer und wirtschaftlicher Teilhabe zu gestalten. Am Beispiel der Stromerzeugung wird es am deutlichsten: Im alten, fossilen Deutschland konzentrierte sich in nur vier Konzernen nahezu die gesamte Stromerzeugung. Der Bundesgerichtshof sprach im „Eschwege-Urteil“ gar von einem „marktbeherrschenden Duopol“ von RWE und E.ON. In der Welt der Erneuerbaren ist es genau umgekehrt: Die ehemals „ großen Vier“ erzeugen nicht einmal fünf Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien. Diese Erzeugungskapazität haben ganz viele und ganz neue Akteure auf die Beine gestellt. Die erste Energiegenossenschaft ist bereits über 100 Jahre alt.
Im Anschluss an die beiden kurzweiligen und informativen Vorträge folgte eine lebhafte Frage- und Diskussionsrunde. „Diese gut angenommene Veranstaltung ist der Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen. Es folgen zum Beispiel MdB Oliver Krischer “Energiewende / Verkehrswende – welche Infrastrukturprojekte im Kreis Ahrweiler sind sinnvoll und welche nicht“ und MdL Jutta Blatzheim-Rögler “Mobilität im Kreis Ahrweiler“.

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