Mehr grüne Power auf die Grafschaft bringen

Teilnehmer des Vorbereitungstreffen im Ratssaal der Gemeindeverwaltung Grafschaft.

Sieben Mitglieder zählen Bündnis 90/Die Grünen derzeit auf der Grafschaft; einen eigenen Ortsverband gibt es dort bislang aber nicht. Bernadette Heeb-Klöckner und Mathias Heeb, die beiden grünen Mitglieder des Gemeinderats Grafschaft, hatten deshalb jetzt ins Ringener Rathaus eingeladen, um die Gründung eines Ortsverbands vorzubereiten. Immerhin 14 Interessierte fanden sich im großen Sitzungssaal ein.

Ziel der Gründung sei, „mehr grüne Power“ auf die Grafschaft zu bringen, sagte Bernadette Heeb-Klöckner. Die Grafschafter Grünen bräuchten dringend Personal für ihre Arbeit in den kommunalen Gremien – etwa im Kultur- und Sportausschuss, im Schulträgerausschuss sowie im Bau- und Planungsausschuss der Gemeinde. Eine Mitgliedschaft bei den Grünen sei dabei nicht zwingend Voraussetzung.

Mathias Heeb äußerte bei dem Vorbereitungstreffen heftige Kritik an den Gemeinderatsfraktionen von CDU und FDP. Die Liberalen hätten sich nach der Kommunalwahl 2009 „verdünnisiert“; eine FDP-Politik gebe es deshalb in der Grafschaft derzeit „de facto nicht.“ Die CDU, die die Hälfte der Ratsmitglieder und den Bürgermeister stellt, mache eine unverantwortliche Haushaltspolitik. Dabei habe die Grafschaft inzwischen fast 20 Millionen Euro Schulden. Die Kommune müsse demnächst zwei kirchliche Kindergärten mit großem Sanierungsbedarf zu übernehmen. Für überflüssige Projekte wie den geplanten Ankauf des Winzersaals in Lantershofen fehle da das Geld.

Außerdem leisten die Christdemokraten, so Heebs, der Zerstörung von Natur, Landschaft und dörflichen Strukturen Vorschub. Die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung mit Waren des täglichen Bedarf werde immer schlechter. In jüngster Zeit hätten wieder mehrere Geschäfte geschlossen – etwa in Oeverich, Esch und Lantershofen. Und das Einkaufszentrum in Ringen befinde sich in einer Dauerkrise.

Ein wichtiges Ziel der Grafschafter Grünen sei es, große Ansiedlungen auf der „grünen Wiese“ zu verhindern und stattdessen die Ortskerne zu stärken. Aus diesem Grund hätten sich die Grünen „als einzige Partei vehement gegen das geplante Factory Outlet Center gewehrt.“ Allein im ersten Bauabschnitt seien 13.000 Quadratmeter Verkaufsfläche vorgesehen. Das Zentrum würde aber nicht nur Natur und Landschaft zerstören, sondern auch die ländliche Wirtschaftsstruktur. Den Investoren gehe es ohnehin nur um den schnellen Reibach.

Die Panorama-Sauna in Holzweiler, die Obsthöfe der Grafschaft und die Trasse der von Kirchdaun bis Eckendorf durch die Grafschaft verlaufenden ehemaligen Aachen-Frankfurter Heerstraße böten gute Voraussetzungen für einen sanften Tourismus, ergänzte Bernadette Heeb-Glöckner. Ein reiner Konsumtourismus, wie ihn das geplante Outlet Center anziehen soll, passe nicht in die Grafschaft.

Skepsis sei auch beim Innovationspark Rheinland angebracht. Die Bonn-Berlin-Ausgleichsvereinbarung hatte dort die Ansiedlung innovativer Betriebe aus dem medizintechnischen Bereich vorgesehen. Jetzt hätten sich dort, mit Steuergeldern unterstützt, Ärzte, eine Bank und ein Reisebüro niedergelassen.

Mathias Heeb sprach sich dafür aus, das nordrhein-westfälische Modellprojekt „Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung“ (DORV) auf die Grafschaft zu übertragen. Bei diesem Konzept geht es darum, in den Dörfern „Tante-Emma-Läden mit High-Tech-Charakter“ zu gründen, die neben einem klug zusammengestellten Grundangebot an Waren auch eine Reihe von Dienstleistungen anbieten. Das Internet mit seinen neuen Möglichkeiten könne dabei Wege in die benachbarten Zentren häufig überflüssig machen.

Ökologie genieße auf der Grafschaft einen denkbar niedrigen Stellenwert. Die Gemeinde habe sich inzwischen in weitem Umkreis zu einem Paradebeispiel dafür entwickelt, wie eine Kommune besonders unverantwortlich mit ihrer Umwelt umgeht. Die CDU beweise immer wieder aufs Neue, dass sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat. Obwohl die Einwohnerzahlen kontinuierlich sinken, seien auf der Grafschaft innerhalb kurzer Zeit mehr als 60 Hektar Land bebaut und befestigt worden. Stellungnahmen der Landespflegebehörde zur Bebauungsplanung würden von den Christdemokraten stets ins Lächerliche gezogen. Dabei habe die Katastrophe in Nierendorf kürzlich gezeigt, welche Folgen Klimaveränderung und zunehmende Flächenversiegelung haben.

  • Alle, die sich für grüne Politik auf der Grafschaft interessieren, sind eingeladen, an der nächsten Sitzung der grünen Gemeinderatsfraktion am Montag, 26. Oktober, ab 19.30 Uhr im Rathaus teilzunehmen.

Der Sitzungssaal im Anbau des Ringener Rathauses.

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