Eveline Lemke: Bürger und Kommunen sind tragende Säulen der Energiewende

Wirtschafts- und Energieministerin Eveline Lemke (Zweite von rechts) mit den übrigen Referenten: Klaus Karpstein (von links), Franz-Josef Louen und Renate Adams sowie die Initiatoren Andreas Nelles und Brigitte Karpstein.

Wenn das politische Berlin zögert, muss die Energiewende von den Sinzigern selbst umgesetzt werden: Zu diesem Schluss kamen fünf Energieexperten, unter ihnen die Wirtschaftsministerin von Rheinland-Pfalz, Eveline Lemke, bei der Veranstaltung „Energiewende in Sinzig“ am Freitag im Pfarrheim „St. Peter“. Brigitte Karpstein und Andreas Nelles, die Initiatoren des Sinziger Bürgerpakts „Miteinander anpacken“, hatten eingeladen.

„Von der Berliner Regierungskoalition sind keine Impulse in Sachen Energiewende zu erwarten“, stellte Lemke fest, „deshalb müssen wir auf Landes- und Kommunalebene aktiv werden.“ Die rheinland-pfälzische Landesregierung habe das erkannt, und sie habe die Weichen dafür gestellt, dass die Stromversorgung des Bundeslandes bis 2030 mit einem Energiemix aus Photovoltaik, Biomasse, Geothermie, Wind- und Wasserkraft bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbare Energien sichergestellt wird.

Die Ministerin sah dabei auch die Landräte, Bürgermeister und kommunalen Parlamente in der Pflicht: „Sie müssen erkennen, dass sich das Erzeugen erneuerbaren Energie für die eigene Kasse lohnt.“ Ein fantastisches Beispiel dafür liefere der Rhein-Hunsrück-Kreis, in dem schon jetzt 30 Prozent mehr Energie erzeugt als verbraucht wird. Für den Kreis Ahrweiler sieht Lemke hingegen noch deutliches Entwicklungspotenzial: „Ob Windenergie, Photovoltaik oder Biogas – der Kreis Ahrweiler belegt im Landesvergleich in sämtlichen Bereichen hintere Plätze“, attestierte Lemke, „ich appelliere an die Lokalpolitik, das zu ändern.“

Ähnlich sah das Andreas Nelles von der Sinziger Initiative „Miteinander anpacken!“: „Unser Ansatz lautet: Global denken, lokal handeln! Deshalb haben wir den Verein „Miteinander anpacken!“ gegründet. Wir wollen möglichst viele Bürger dazu bewegen, durch einfache Maßnahmen in den Bereichen Energiesparen, Energieeffizienz und Energieerzeugung das Klima zu schützen.“ Diese Entwicklung sei keine Option, sondern alternativlos: „Mit unserer Fixierung auf atomare und fossile Energieformen zerstören wir nicht nur unsere Umwelt, sondern machen uns auch abhängig: Die Energieimportabhängigkeit Deutschlands liegt zurzeit bei 60 Prozent.“

Dass die Energiewende ein Generationenprojekt ist, wusste auch die Sinziger Umweltpädagogin Renate Adams. In ihrem Vortrag stellte sie den von ihr entwickelten Grundschüler-Workshop „Energie-Hits für Powerkids“ vor. „Es ist wichtig, schon Kinder und Jugendliche für Energiefragen zu sensibilisieren“, sagte sie, „je älter ein Mensch wird, desto schwieriger kann es sein, ihn für Umwelt- und Energiefragen zu gewinnen. Schlussendlich bringen Kinder ihre Erkenntnisse auch zu Hause ein.“

Kritische Worte über die schwarz-gelbe Energiepolitik hörte man auch von Klaus Karpstein, dem Vorsitzenden des Solarvereins Goldene Meile: „Die Kürzungen der Bundesregierung bei der Solarförderung gefährden nicht nur tausende von Arbeitsplätzen, sondern auch den Wirtschaftsstandort Deutschland.“ Es bleibe zu hoffen, dass sich Unionspolitiker wie Christine Lieberknecht und Horst Seehofer durchsetzen und dass es ihnen gelingt, Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Umdenken zu bewegen!“

Wer bei erneuerbaren Energie nur an Solar- und Windenergie denkt, sei auf dem Holzweg. Das war die Kernaussage von Franz-Josef Louen, Mitarbeiter der Forstverwaltung Rheinland-Pfalz. In seinem Vortrag zum Thema „Nachhaltiges Holzmanagement“ machte er klar, dass „alle Ressourcen begrenzt sind; Holz biete dabei den Vorteil, dass es schnell nachwachse. Außerdem sei zum Schlagen von Holz viel weniger Energie notwendig als für die Öl- und Gasförderung. Hausbesitzern, die noch immer auf Ölheizungen setzen, könnte eine von Louen vorgestellte Shell-Studie nachdenklich machen: Demnach ist Öl in erster Linie als Kraftstoff für Verkehrsmittel unentbehrlich. „Der Häuslebauer sitzt demnach in absehbarer Zeit auf dem Trockenen.“

In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um Energiegenossenschaften und andere Finanzierungsmodelle. Hauseigentümer hätten die Möglichkeit, ihr Dach für eine Fotovoltaikanlage zu vermieten. Es kamen aber auch kritische Stimmen auf. Die steigende Nachfrage nach Feuerholz könne bald nicht mehr gedeckt werden; schon jetzt werde in den Wäldern „wild rumgeholzt“. Forstwirt Louen bestritt das vehement. Der Holzeinschlag laufe sehr kontrolliert ab; und Jahr für Jahr wachse in den rheinland-pfälzischen Wäldern weitaus mehr Holz nach als abgeholzt wird.

Kritisch angemerkt wurde auch, dass durch Holzfeuerung viel Gestank in den Wohngebieten erzeugt werde. Emissionsarmes Heizen sei eine Frage der richtigen Technik und vor allem der richtigen Feuerung, hieß es dazu. Viele Wohnungseigentümer würden ihre Öfen falsch betreiben; dadurch entstünden Gestank und – viel schlimmer noch – unvollständige, ineffiziente und umweltbelastende Verbrennung. Mit dem Kauf eines Ofens sei es deshalb nicht getan. Betreiber von Öfen müssten sich auch über die richtige Befeuerung informieren.

  • Zur Facebook-Seite der lokalen Klimaschutz-Initiative „Miteinander anpacken“ geht’s hier entlang.

Richard Klasen

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