Grüne treffen Mittelstand

Kleinere Betriebe erhalten keine Exportversicherung durch den Bund

Frans Vermee gmbh 20-5-2014Mit einem Gespräch über die Situation mittelständischer Industrie in Remagen setzten am Dienstag die Grünen ihren Dialog mit Remagener Unternehmern fort. Nach Treffen mit Vertretern des Handels und der Gastronomie besuchten die Stadtratsmitglieder Frank Bliss und Antonio Lopez am Dienstag den Betrieb Frans Vermee GmbH Nahrungsmittel-Technologie. Mit dabei auch dieses Mal die Rheinland-Pfälzer Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Eveline Lemke.
Die Frans Vermee GmbH entwirft und produziert Verpackungsmaschinen, die in vielen Ländern vor allem für den Lebensmittelbereich Verwendung finden, aber auch im Bergbau für die Verpackung von Sprengstoff genutzt werden. Kunden finden die Maschinen in zahlreichen Großbetrieben in Deutschland, sie werden aber auch nach Russland, die Ukraine und in rund 20 weitere, nicht nur europäische Länder vertrieben. Der Remagener Betrieb mit 18 Mitarbeitern in Deutschland und weitern sechs in Russland gilt in seiner Sparte als besonders innovativ und dies war denn auch der Grund für die gestrige Gesprächsrunde.

„Wir erfinden das Rad keineswegs neu“, erläuterte Betriebsinhaber Vermee bei seiner Betriebsvorstellung. „Wir verwenden neben eigenen Konstruktionen auch bereits auf dem Markt befindliche Maschinen, passen dies technisch an die Bedürfnisse der Kunden an, verbessern sie oder führen bekannte Technologien einer ganz neuen Bestimmung zu“.

Beeindruckend auch für Ministerin Lemke war in diesem Zusammenhang ein Verfahren, Fleisch oder andere Frischwaren mit 6000 Bar Druck zu behandeln und die Ware ohne Verwendung chemischer Stoffe oder durch Erhitzen hundertprozentig keimfrei zu bekommen. Gerade im Streit über die Chlorgasbehandlung von Geflügel in den USA, die durch das derzeit verhandelte Freihandeslabkommen zwischen Europa und den USA auch für Deutschland eines Tages Realität werden könnte, sei dies eine hervorragende Lösung, waren sich alle Beteiligten einig.

Unternehmer Vermee wies in seinem Vortrag allerdings auch auf eine Reihe von Problemen hin, denen sich Betriebe seiner Größe ausgesetzt fühlten. So stünde man wie große Firmen mit Milliardenumsatz, gerade auch in Ländern wie Russland oder China, im internationalen Wettbewerb. Eine staatliche Exportversicherung, die das Risiko eines Zahlungsausfalls durch den Kunden abdecken würde, erhielten aber nur die großen Firmen. Während es aber für letztere wenig ausmachen würde, selbst einen Millionenausfall zu verkraften, stünde die Existenz mittelständischer Betriebe schon bei einem einzigen Zahlungsausfall etwa in einem asiatischen oder afrikanischen Land auf dem Spiel.

Ministerin Lemke wies in diesem Zusammenhang auf wiederholte Versuche der Grünen im Bundestag hin, die deutsche staatliche Exportversicherung zu reformieren und auch für kleinere Firmen zugänglich zu machen. Auch bei weiteren Punkten zeigten sich gemeinsame Interessen zwischen grüner Wirtschaftspolitik und der mittelständischen Industrie, ganz besonders im Nahrungsmittelbereich. So gelte es, die Verwendung von PVC (Kunststoff) im Verpackungsmaterial schnellstmöglich durch Materialien zu ersetzen, die keine gesundheitsgefährdenden Stoffe in die Nahrungsmittel abgäben.

Wie aktuell das Thema Lebensmittelsicherheit derzeit ist, zeigte eine Nachricht, die während des Gespräches am Dienstagabend über das Internet verbreitet wurde: Die Grünen-Fraktion im Bundestag hatte just zu diesem Zeitpunkt die Ergebnisses einer in Eigeninitiative durchgeführten Lebensmittel-Studie auf dem Tisch bekommen mit einem alarmierenden Befund: Bei 63 verschiedenen Wurstproben fanden sich in zehn Fällen gefährliche Erreger in den Lebensmitteln. Dies sei ein Grund mehr, so die Ministerin, mit innovativen Unternehmern wie Frans Vermee im Gespräch zu bleiben und auf seine Ideen und Entwicklungen auch auf der politischen Ebene zur Kenntnis zu nehmen.

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