Remagener Innenstadt vor dem Abgrund?

Bündnis 90/Die Grünen erinnern an Verantwortung von Bürgermeister und Ratsmehrheit

Frank Bliss

Mit der Stimme des Bürgermeisters selbst wurde der Beschluss seinerzeit durchgeboxt: In Remagen sollte auf dem „Bechergelände“ in Konkurrenz zur Remagener Innenstadt ein Einkaufszentrum mit mehreren Supermärkten errichtet werden dürfen. Selbst kranke Ratsmitglieder mussten zur Abstimmung antreten und ein Stadtratsmitglied der SPD wurde aus fadenscheinigen Gründen von der Abstimmung ausgeschlossen, um die (knappe) Mehrheit von CDU und Freier Bürgerliste für das Zentrum zu retten.
Niemand im Stadtrat hatte sich damals gegen eine Umsiedelung und Erweiterung des bereits bestehenden, wenige Meter entfernt liegenden Edeka-Marktes ausgesprochen. Neben dem Ladenneubau hätten zudem rund 120 Wohnungen in bester Lage entstehen können, so vorgeschlagen von den Remagener Grünen. Beschlossen wurde dagegen ein komplettes Marktzentrum ohne Wohnungen abseits der Innenstadt. Ernsthafte Warnungen, dass der Bau des Marktzentrums bereits mittelfristig eine Gefahr für den Handel in der Remagener Innenstadt bedeuten würde, wurden mit im Auftrag des Investors erstellten fadenscheinigen Gutachten heruntergespielt.

Nun ist der schlimmste Fall eingetreten: Der Verbrauchermarkt „Kaisers“ in der Fußgängerzone wird aller Voraussicht nach noch im Jahr 2014 geschlossen werden. Damit würde ein Publikumsmagnet für alle anderen Geschäfte in der Fußgänerzone entfallen. Die Schließung weiterer Läden sei dann nur noch eine Frage der Zeit, so viele besorgte Bürger, Geschäftsleute und auch die Remagener Stadtratsfraktion der Grünen, die sich am Sonntag zu einer außerordentlichen Sitzung zum Thema Kaisers-Schließung traf.

„Die Stadtverwaltung behauptet, nichts über die Schließung von Kaisers zu wissen, der Bürgermeister ist abgetaucht und schickt seinen Gewerbeförderer vor. Offenbar will er das Thema vor der Wahl am 25. Mai bedeckt und seine Partei, die CDU als Verantwortliche für das mit der Innenstadt konkurrierende Marktzentrum aus der Feuerlinie halten. Während der Vertreter des Bürgermeisters weiterhin uninformiert tut, liegen uns konkrete schriftliche Mitteilungen vor, dass seitens der Firma Tengelmann die Marktschließung in Remagen definitiv geplant ist“, so Grünen-Sprecher Frank Bliss am Montag gegenüber der Presse.

Die Remagener Grünen ärgert besonders, dass sich besorgte Geschäftsleute und die im Rat vertretenen Parteien selbst um Informationen zum Thema Kaisers bemühen müssten, während die Stadtspitze nur Nebelkerzen werfen würde. Hierzu gehöre auch der Spagat, einerseits nichts von einer Marktschließung wissen zu wollen, auf der anderen Seite aber die guten Beziehung zu möglichen Investoren, sprich Ersatzgeschäften, herauszustellen. Dies sei schon in der Vergangenheit selten gutgegangen. Jeder Schließung eines wichtigen Marktes angefangen von IhrPlatz über Plus bis zu Schlecker sei stets eine nachrangige Geschäftsbelegung gefolgt, die deutlich weniger Besucher in die Fußgängerzone gezogen habe als der vorherige Laden.

„Das Mindeste, was wir nun vom Bürgermeister erwarten ist, sich persönlich an die Geschäftsleitung von Tengelmann zu wenden und für den Erhalt des Kaisers-Marktes zu kämpfen. Über die Erfolgs- oder vermutlich eher Mißerfolgsaussichten sollte er dann aber vor den Wahlen am 25. Mai berichten“, so Grünen-Sprecher Frank Bliss.

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1 Kommentar

  1. Mathias Heeb

    man will einfach nicht dazu lernen. Das gleiche Spiel geschieht in der Grafschaft, man hat einen Supermarkt in Ringen endlich wieder positioniert und nicht mal ein Jahr danach kommt dann auf der grünen Wiese die Konkurrenz. Ich befürchte auf kurz oder lang, dass uns das gleiche passieren wird wie in Remagen. Für wie doof halten uns eigentlich manche Politiker?
    Freie Marktwirtschaft ja aber nicht auf Kosten der Innenstädte. Dass sowas kurz vor der Wahl natürlich blöd ist für die CDU – naja vielleicht merkt es ja einer…