Duell der Bürgermeisterkandidaten:(v.l.n.r) Marcel Caspers, Stefani Jürries (Moderation), Sebastian Goerke

Duell der Bürgermeisterkandidaten:(v.l.n.r) Marcel Caspers, Stefani Jürries (Moderation), Sebastian Goerke

Duell der Kandidaten zur Bürgermeister-Wahl der VG Bad Breisig

GRÜNEN-Direktkandidatin Stefani Jürries moderierte souverän das direkte Zusammentreffen

„Die Atmosphäre war fair und entspannt“, sagt Stefani Jürries. „Das ist leider nicht mehr selbstverständlich. Der Ortsverband Bad Breisig von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat das Duell aber sehr gut vorbereitet.“ Fragen zu sechs Themenbereichen an jeden der Kandidaten mit beschränkter Antwortzeit sorgten für einen interessanten und spannenden Abend. Dabei gelang es Stefani Jürries hervorragend, bei beiden Kandidaten die unterschiedlichen Positionen und Herangehensweisen herauszuarbeiten.

So rückte Sebastian Goerke bei vielen Antworten die soziale Situation in Bad Breisig in den Blick, während Marcel Caspers für mehr Barrierefreiheit in der Stadt in mehreren Punkten eintrat. Caspers nannte als sein politisches Vorbild Barack Obama. Für Goerke sind Willi Brandt und die beiden amtierenden SPD Vorsitzenden Walter-Borjans und Esken politisch Vorbilder.

Finanzen:
Marcel Caspers: Er ging auf die schwierige Situation mit fünf Einzelhaushalten ein und lobte das gemeinsam erarbeitete Haushaltskonsolidierungskonzept. Er bekannte sich zu den Römer-Thermen, war jedoch sicher, dass die Stadt die Probleme nicht alleine bewältigen könne und auch auf Fördergelder angewiesen sei. Für den Bau einer neuen Stadthalle sah er in absehbarer Zeit nicht die benötigten Mittel.
Sebastian Goerke: Er stellte provokant die Frage, warum die Verbandsgemeinde überhaupt so viele Schulden habe. Für ihn hat das bei 17,5% Kinderarmut in der Stadt auch einen sozialen Aspekt. Für die Römer-Thermen sieht er ohne Investoren die Zukunft gefährdet und möchte, wie auch Caspers, die Jahnhalle so lang wie möglich erhalten.

Verwaltung:
Die Situation in der Verwaltung sehen beide Kandidaten, bei gemeinsamem Lob für die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, als verbesserungswürdig an.
Sebastian Goerke: Übte Kritik an der Verwaltungsführung und kann sich eine strukturelle Veränderung, die das Silodenken aufbricht, vorstellen. Für ihn liegt das Einsparungspotential durch Digitalisierung bei 10%.
Marcel Caspers: Nannte die Verwaltung effizient und bürgernah, forderte Barrierefreiheit und möchte das Bürgerbüro zum Bürgerberatungszentrum erweitern. Er sah das Aufbrechen bestehender Strukturen als nicht möglich an.

Kinder, Jugend, Familie:
Marcel Caspers: Er hält für die Menschen aller Altersgruppen und in allen Ortsteilen die Verbandsgemeinde auch auf den zweiten Blick für lebenswert. Er möchte Bauplätze für junge Familien, fordert die Teilnahme an Dorferneuerungsprogrammen und möchte Jugendvertretungen in allen Orten etablieren. Die Situation in den Kitas hält er für verbesserungswürdig.
Sebastian Goerke: Will Kinder und Jugendliche für Politik bzw. das Einbringen in das Stadtgeschehen begeistern, was über die die Möglichkeit der sogenannten Kinderstadt zu erreichen wäre. Er möchte die Jugendarbeit vor Ort stärken und etwas gegen die schlechte Betreuungsquote in der Stadt tun.

Tourismus:
Sebastian Goerke: Verweist auf seine Gespräche mit einem privaten Eigentümer, um an der Goldenen Meile ein Naherholungsgebiet zu etablieren, eventuell gemeinsam mit Sinzig. Ihm ist der Naturschutz wichtig, möchte die Radwege erweitern mit einem Konzept, das die vier Täler in der VG berücksichtigt und Angebote für jüngere Touristen schaffen.
Marcel Caspers: Will Breisig sich als Region vermarkten und verweist auf die Initiative Starke Kommune – starkes Land. Er möchte die Lücken im Radwegenetz schließen und den Radweg am Rhein sanieren. Seine Idee ist die Einbeziehung des Hoffnungsstollens zwischen Rheineck und Gönnersdorf in ein Tourismuskonzept.

Digitalisierung:
Marcel Caspers: Betont, dass diese in der Verwaltung heute schon gelebt werde, Corona aber auch Schwächen aufgezeigt habe. Für ihn bietet sie die Chance, räumliche Probleme der Verwaltung zu lösen und Zeit für liegen gebliebene Themen zu schaffen. Er möchte dafür Fördergelder abrufen und Schulen und Erzieher mit Hardware ausstatten. Sie sei kein Sprint sondern ein Marathon.
Sebastian Goerke: Für ihn ist das Thema von Beruf her sein Steckenpferd. Digitalisierung schaffe auch Bürgernähe, sei ein Dauerbrenner und müsse dringend energisch angegangen werden. Er möchte die Chance nutzen, damit auch die Branche in die Stadt zu locken. Er möchte einen Digitalpark installieren und dafür auch Fördermittel beantragen.

Klimaschutz:
Sebastian Goerke: Er stellt fest, dass in der VG bisher nichts für den Klimaschutz getan werde, ein weißer Fleck auf der interaktiven Karte der Energieagentur RLP. Das will er ändern, und einen Klimaschutzmanager installieren, dessen Stelle bis zu 100% gefördert werden kann. Er will ein Klimaschutznetzwerk aufbauen, dem Klimabündnis beitreten und sich wie andere Kommunen in der Region an Aktionen wie z.B. Rhine CleanUp beteiligen. Für mehr erneuerbare Energien will er die Unternehmen mit ins Boot holen.
Marcel Caspers: Er spricht sich für den Beitritt zum Klimabündnis aus, sah im Vergleich mit anderen Kommunen keine Defizite. Die Verbandsgemeinde müsse sich selbst Ziele setzen, die Ist-Werte zu ermitteln sei der erste Schritt. Er will das Thema aktiv angehen, die Abwasserversorgung müsse klimafreundlicher werden und es sei dringend notwendig, etwas für den Wald zu tun. Er will Akzente setzen und dabei mit den Bürgerinnen und Bürgern zusammenarbeiten.

Es gab noch verschiedene Fragen aus dem Publikum, entgegen den Erwartungen der GRÜNEN wurde die B9 jedoch nicht thematisiert.

Ein Mitschnitt der Veranstaltung mit den ausführlichen Antworten der Kandidaten sehen sie unter dem Beitrag. Unser Dank gilt Herrn Michael Koch, der das Podium gefilmt hat und diesen Film freundlicherweise zur Verfügung stellt.