Mehr Fracht – Weniger Nacht

Unter diesem Motto hatten die Remagener Grünen am Mittwoch den 08.05.2019 in das Brauhaus Caraciola eingeladen. Prof. Dr. Ingo Groß und Prof. Paul Melcher von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg referierten über nächtlichen Fluglärm. Durch den Abend führte Ortsbeiratsmitglied Bettina Fellmer.

Die Kernpunkte des Vortrages waren nach einer kurzen theoretischen und praktischen Einführung in die Welt des Schalls die Steigerung der Zahl der Nachtflüge in der Kernnacht am Flughafen Köln/Bonn um 27% seitdem 2014 das Nachtflugverbot in Frankfurt am Main eingeführt wurde. Für den Frachtverkehr in der Nacht kommen dabei bis zu 30 Jahre alte und teilweise sogar Propeller-Maschinen zum Einsatz, die durch ihre Tonalität nachts besonders störend sind. Die Zeit des Frachtumschlags innerhalb der Kernnacht wird zwischen 0:00 und 4:00 Uhr mit einem Angebot an touristischen Billigflügen gefüllt. Die geplante Ausweitung des Frachtverkehrs geht mit Riesenschritten voran. So soll bis zum Jahr 2030 das Frachtvolumen verdoppelt werden, nach offizieller Aussage angeblich ohne Steigerung der Lärmemissionen. Die Lärmwerte werden bei Fluglärm nur als gemittelter Lärmpegel betrachtet, ähnlich der Situation an der B9 in Remagen und nicht als Einzelwerte. Selbst wenn in der Nacht mehrere extrem laute Lärmwerte auftreten, führt dies rechnerisch dann zu einem „nicht störenden“ Gesamtlärmpegel. Dabei liegen insbesondere die nördlichen Ortsteile Remagens in der Nähe einer der Haupt Start- und Landerouten Richtung Süden.

Seinen unterhaltsamen und kurzweiligen Vortrag unterstützte der selbst betroffene Hochschullehrer Groß mit Experimenten zur Wahrnehmung des speziell durch Flugzeuge verursachten tieftönigen Lärms und gut recherchierten Belegen. Das Forschungsinteresse beider Professoren gilt dabei den Auswirkungen dieser bisher nicht betrachteten und von den Betroffenen nachts ggf. nicht einmal bewusst bemerkten Einzelereignisse auf deren Schlafqualität in einem großräumigen Gebiet um den Flughafen.

Es entstand der Eindruck, dass bei der Aufrechterhaltung der Nachtflüge in Köln/ Bonn den wirtschaftlichen Interessen klar der Vorrang gegenüber dem erholsamen Schlaf der Einwohner der gesamten Großregion gegeben wird. Dabei ist Remagen zwar bisher zumeist noch eher am Rande, aber doch zunehmend betroffen.

Es wurde auch der konkrete Zusammenhang zwischen unseren liebgewonnenen Konsumgewohnheiten wie Erdbeeren im Winter oder unbegrenzten billigen Flugangeboten und den Auswirkungen auf die Lebensqualität im Umfeld von Flughäfen deutlich. Über die negativen Auswirkungen des Fliegens auf das Klima wurde an diesem Abend noch nicht einmal gesprochen.

Der Einladung zu der Veranstaltung folgte eine Gruppe interessierter Bürger*innen aus der Remagen, aber auch aus Köln und dem Westerwald waren Zuhörer*innen zu diesem hochkarätigen Vortrag angereist. Zum Abschluss bedankten sich die Sprecherin des Ortsverbandes Remagen der Grünen, Stefani Jürries, sowie der Fraktionsvorsitzende Frank Bliss bei dem Referenten.

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