Die Ortsverbände Bündnis 90/DIE GRÜNEN Mittelahr, Brohltal und Adenau stellen sich gegen rassistische Vorbehalte
Die gemeinsame Anschaffung mobiler Sperren zur Sicherung von Weinfesten, Rosenmontagszügen oder anderen öffentlichen Volksfesten in den drei Verbandsgemeinden Altenahr, Adenau und Brohltal ist aus Sicht von Bündnis 90/DIE GRÜNEN eine sinnvolle und verantwortungsbewusste Maßnahme. Sie trägt dazu bei, dass Bürgerinnen und Bürger solche Veranstaltungen unbeschwert besuchen und genießen können.
Umso befremdlicher sind die Aussagen von Herrn Odenkirchen in seinem Leserbrief in der Rhein-Zeitung vom 02.10. Seine Behauptung, es habe in den vergangenen 50 bis 60 Jahren keine vergleichbaren Taten gegeben, entspricht nicht den Tatsachen. 1992 fuhr ein betrunkener 22-jähriger deutscher Mann in Remagen in eine Pilgergruppe vor der Kapelle zur Schwarzen Madonna. Vier Menschen verloren dabei ihr Leben, 13 weitere wurden schwer verletzt. Die Amokfahrt in der Trierer Fußgängerzone im Dezember 2020 durch einen Deutschen ist vielen Menschen noch in schmerzlicher Erinnerung. Darüber hinaus gibt es weitere Vorfälle, verursacht von Deutschen.
Problematisch ist, dass Herr Odenkirchen diese Tatsachen unterschlägt und das angeblich veränderte „Stadtbild“ bemüht, ein Begriff, mit dem bereits Bundeskanzler Merz negativ aufgefallen ist. Damit wird suggeriert, Migration allein sei die Ursache für diese grauenhaften Attentate. Diese Argumentation ist nicht neu, dabei spricht die Kriminalstatistik eine andere Sprache. Sie lenkt von den tatsächlichen Ursachen ab, schürt rassistische Vorurteile und stellt Menschen mit Migrationshintergrund pauschal unter Verdacht.
Wie absurd und fremdenfeindlich die Stadtbild-Debatte ist, zeigt ein Blick auf das Gesundheitswesen. Das Marienhaus Klinikum hat kürzlich angekündigt, dass ein hervorragend ausgebildeter Wirbelsäulenspezialist mit Wurzeln im arabischen Raum das Krankenhaus in Bad Neuenahr verstärken wird. Passt ein solcher Facharzt in das Stadtbild von Bad Neuenahr-Ahrweiler? Wir sind sicher, er wird es sogar bereichern! Denn Menschen wie er erweitern und sichern die medizinische Versorgung im letzten verbliebenen Krankenhaus in unserem Kreis und leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Für die Patientinnen und Patienten dürfte seine Qualifikation wichtiger sein als sein Name oder seine Herkunft.
Unsere Freiheit wird nicht durch mobile Zufahrtssperren eingeschränkt, sie ist gefährdet durch Menschen, die komplexe Probleme auf einfache Feindbilder reduzieren und Menschen gegeneinander ausspielen. Freiheit braucht Sicherheit. Sie wird ermöglicht durch gute Integrationsarbeit in Kita, Schule und Beruf und einen respektvollen Umgang miteinander. Wer von Symbolpolitik und „Phrasendrescherei“ weg will und Ursachen ernsthaft diskutieren möchte, sollte pauschale Schuldzuweisungen gegenüber jedweden Bevölkerungsgruppen unterlassen und den Blick auf die tatsächlichen Ursachen von Aggression und Gewalt richten.
